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Verjährung: wie lange alte Krypto-Jahre offen sind

Wer spät merkt, dass ein Tausch ein Verkauf war, steht vor zwei Fragen: Wie weit zurück muss ich, und auf welchem Weg. Dieser Text beschreibt die Mechanik. Die Entscheidung im Einzelfall gehört zu einem Steuerberater.

Veröffentlicht am 23. September 2026

Worum es geht

Ein Steuerbescheid ist nicht für immer offen. Nach Ablauf der Festsetzungsfrist darf das Finanzamt nichts mehr ändern, und zwar in beide Richtungen: es kann nicht nachfordern, und du kannst nichts mehr geltend machen.

Bei Krypto ist die Frage besonders häufig, weil vielen erst nach Jahren klar wird, dass jeder Tausch eine Veräußerung war. Die Rechnung für 2021 sieht dann plötzlich anders aus als der Bescheid.

Wie lange

Die Festsetzungsfrist für die Einkommensteuer steht in § 169 AO und hat drei Stufen:

FallFrist
Regelfall4 Jahre
leichtfertige Steuerverkürzung5 Jahre
Steuerhinterziehung10 Jahre

Die Einordnung hängt nicht am Betrag, sondern am Verschulden. Leichtfertig handelt, wer die Sorgfalt in ungewöhnlichem Maß außer Acht lässt; Hinterziehung setzt Vorsatz voraus, also das Wissen und Wollen der Verkürzung. Wer eine Regel nicht kannte und sich nicht kundig gemacht hat, bewegt sich zwischen diesen Stufen, und wo genau, ist eine Bewertung des Einzelfalls.

Wann sie zu laufen beginnt

Hier steckt der Teil, den fast alle unterschätzen. Den Beginn regelt die Anlaufhemmung in § 170 Abs. 2 AO: Die Frist läuft ab dem Ende des Kalenderjahres, in dem die Erklärung abgegeben wurde, spätestens ab dem Ende des dritten Jahres nach dem Steuerjahr.

Zwei Beispiele für das Steuerjahr 2021:

SachverhaltBeginn der FristRegelfrist endet
Erklärung 2022 abgegeben31.12.202231.12.2026
nie eine Erklärung abgegeben31.12.202431.12.2028

Eine fehlende Erklärung verlängert die Angreifbarkeit also, statt sie zu verkürzen. Und wenn statt der vier Jahre zehn gelten, reicht die Frist für 2021 bis Ende 2034.

Der Weg zurück

Wer einen Fehler in einer abgegebenen Erklärung bemerkt, hat keine Wahl, ob er ihn meldet: § 153 AO verpflichtet zur unverzüglichen Anzeige und Berichtigung, sobald man den Fehler erkennt. Das ist der normale Weg, und er ist kein Schuldeingeständnis.

Davon zu unterscheiden ist die Selbstanzeige nach § 371 AO. Sie ist der Weg zurück aus einer Steuerhinterziehung und an harte Bedingungen geknüpft: Sie muss alle unverjährten Steuerstraftaten einer Steuerart vollständig erfassen, sie muss rechtzeitig kommen, bevor die Tat entdeckt oder eine Prüfung angekündigt ist, und die Steuer samt Zinsen muss fristgerecht nachgezahlt werden. Eine unvollständige Selbstanzeige wirkt nicht und legt den Sachverhalt trotzdem offen.

An dieser Stelle hört ein Werkzeug auf und ein Berater fängt an. Ob ein Fall unter § 153 oder unter § 371 fällt, entscheidet über strafrechtliche Folgen und lässt sich nicht aus einem Artikel ableiten. Wer den Verdacht hat, in den zweiten Bereich zu geraten, sollte vor jeder Einreichung mit einem Steuerberater oder Fachanwalt sprechen, und zwar bevor Daten ans Finanzamt gehen.

Was dazukommt

Nachzahlungen werden verzinst. Die Verzinsung nach § 233a AO beginnt 15 Monate nach Ablauf des Steuerjahres und läuft bis zur Festsetzung; der Zinssatz liegt seit der Neuregelung bei 0,15 Prozent je Monat, also 1,8 Prozent im Jahr. Bei einem Jahr, das sechs Jahre zurückliegt, kommt dadurch ein spürbarer Aufschlag auf die Steuer selbst.

Was du dafür brauchst

Eine Nacherklärung ist vor allem ein Datenproblem. Gebraucht wird für jedes betroffene Jahr dasselbe wie für eine laufende Erklärung, nur rückwirkend:

  • alle Wallets und Börsenkonten, die in diesem Jahr aktiv waren, auch die längst aufgelösten,
  • jeder Zugang mit Datum, Menge und Anschaffungswert, auch aus Jahren vor dem Zeitraum, weil FIFO auf ältere Bestände zurückgreift,
  • jeder Abgang mit Datum, Menge und Erlös,
  • der Kurs im Zeitpunkt jedes Vorgangs, nachvollziehbar belegt.

Blockchain-Daten sind dabei der einfache Teil: Sie bleiben vollständig abrufbar, solange die Adressen bekannt sind. Schwierig sind Börsen. Exporte reichen häufig nur zwei oder drei Jahre zurück, und bei geschlossenen Börsen gibt es gar nichts mehr. Dann bleibt die Schätzung, und eine Schätzung ist immer die schlechtere Position, weil das Finanzamt sie im Zweifel zu deinen Lasten vornimmt.

Was blockbilanz dabei leistet

blockbilanz rechnet Jahre unabhängig voneinander und greift dabei auf den gesamten Bestandsverlauf zurück. Ein Bericht für 2021 berücksichtigt also Anschaffungen aus 2017, wenn FIFO dorthin führt. Jeder Vorgang trägt seine Quelle und der Bericht nennt, woher jeder angesetzte Kurs stammt, was bei einem alten Jahr wichtiger ist als bei einem frischen: die Zahl allein überzeugt niemanden, die Herleitung schon.

Was ein solcher Bericht enthält, zeigt der Beispielbericht.

Die Entscheidung, welcher Weg der richtige ist und was eingereicht wird, bleibt bei dir und deinem Berater. blockbilanz liefert dazu die Zahlen.

Dieser Text erklärt, wie blockbilanz rechnet, und ersetzt keine Steuerberatung. Für deinen Einzelfall gilt, was dein Steuerberater oder dein Finanzamt sagt.

FAQ

Häufige Fragen dazu

Sind vier Jahre nicht immer die Grenze?
Vier Jahre sind der Regelfall. Bei leichtfertiger Steuerverkürzung sind es fünf, bei Steuerhinterziehung zehn. Welcher Fall vorliegt, entscheidet sich am Vorsatz und nicht an der Höhe des Betrags.
Ab wann läuft die Frist?
Nicht ab dem Steuerjahr. Sie beginnt mit Ablauf des Jahres, in dem du die Erklärung abgegeben hast, spätestens drei Jahre nach Ablauf des Steuerjahres. Wer nie abgegeben hat, verschiebt den Beginn also um drei Jahre nach hinten.
Ist eine Nacherklärung dasselbe wie eine Selbstanzeige?
Nein. Eine Berichtigung nach § 153 AO korrigiert eine Erklärung, deren Fehler du nachträglich erkannt hast. Eine Selbstanzeige nach § 371 AO ist der Weg zurück aus einer Steuerhinterziehung. Welcher Fall vorliegt, sollte nicht ohne Beratung eingeschätzt werden.
Wie weit zurück komme ich überhaupt noch an Daten?
Blockchain-Daten bleiben vollständig verfügbar, solange die Adressen bekannt sind. Börsendaten sind das Problem: Exporte reichen oft nur wenige Jahre zurück, und geschlossene Börsen liefern gar nichts mehr.
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